Apple hat Telegram diese Woche für rund eine Stunde aus dem App Store genommen, nachdem Missbrauchsdarstellungen von Kindern (CSAM) auf der App entdeckt worden waren. Sobald die Inhalte entfernt waren, kehrte die App zurück. X hingegen, wo monatelang von Grok generierte Deepfakes von Minderjährigen kursierten, wurde nie offline genommen. Der Unterschied zeigt, wie flexibel die App-Store-Regeln offenbar sind, wenn es um die größten Player geht.
Was tatsächlich passiert ist
Telegram verschwand diese Woche für etwa eine Stunde aus Apples App Store. Laut Apple folgte die Entfernung auf den Fund von CSAM-Material in der App; sobald die Inhalte gelöscht waren, wurde die App wiederhergestellt, berichtet The Verge. Es war nicht das erste Mal: Bereits 2018 hatte Apple Telegram wegen eines ähnlichen CSAM-Verstoßes entfernt. X blieb dagegen im App Store, obwohl Ende letzten Jahres von Grok erzeugte Deepfakes kursierten, die Erwachsene und Kinder entkleideten. Apple kontaktierte die Teams von X und Grok, "nachdem Beschwerden eingingen und Medien darüber berichteten", heißt es in einem Brief Apples an US-Senatoren, der NBC News vorlag und von The Verge zitiert wird. Apple stellte fest, dass X seine Verstöße "weitgehend behoben" habe, forderte das Grok-Team jedoch zu weiteren Änderungen auf - andernfalls könne die App entfernt werden.
Wie es dazu kam
Telegram steht seit Jahren unter politischem Druck. Indonesien und Deutschland drohten 2017 beziehungsweise 2022 mit einem Verbot wegen Terror- und Hassinhalten. Französische Behörden verhafteten Gründer Pavel Durov 2024 wegen mutmaßlicher Beihilfe zu illegalen Transaktionen und CSAM - die Ermittlungen laufen weiterhin. Russland klagte Durov vergangenen Monat wegen Terrorismusförderung an und wirft ihm vor, ukrainischen Spionen die Nutzung der App zu ermöglichen. Telegram hat seither die Moderation verschärft, Funktionen wie die Suche nach Nutzern in der Nähe abgeschafft und beginnt, mehr Gerichtsanordnungen zu befolgen. Der Grok-Skandal bei X folgte auf ein Update Ende 2025, das Nutzern erlaubte, Bilder mit Grok zu bearbeiten. Großbritanniens Ex-Premierminister verurteilte X scharf, die EU eröffnete eine Untersuchung, und mehrere Klagen folgten, darunter von Ashley St. Clair sowie einer Gruppe von Teenagern gegen xAI.
Warum das für dich wichtig ist
Für Nutzer zeigt der Vorfall, dass ein Platz im App Store keine Selbstverständlichkeit ist - selbst für Plattformen mit über einer Milliarde Nutzern. Ein einziger CSAM-Verstoß reichte, um Telegram zu entfernen, während eine monatelange Deepfake-Krise bei X folgenlos blieb. Für Entwickler, insbesondere ohne politisches Gewicht, lautet die Lehre: Die Durchsetzung von Moderationsregeln scheint nicht gleichmäßig zu erfolgen. Crypto- und Web3-Apps, die auf Apples App Store zur Verbreitung angewiesen sind, sollten bedenken, dass offenbar öffentlicher und politischer Druck über die reine Regelverletzung hinaus Ergebnisse beeinflusst. Wer AR- oder Wearable-Software entwickelt, die auf App-Store-Freigaben angewiesen ist, sollte genau beobachten, wie Gatekeeper künftig Größe, Politik und Sicherheitsdurchsetzung gegeneinander abwägen.
Die größere Frage
Wenn die Entfernung aus dem App Store teilweise vom politischen Gewicht statt allein von der Regelverletzung abhängt, was bedeutet das für die Rechenschaftspflicht von Plattformen? Apple setzt CSAM-Regeln bei kleineren oder politisch weniger vernetzten Apps offenbar strikt durch, gab X und Grok jedoch private Warnungen und Zeit zur Nachbesserung statt einer Entfernung. Während immer mehr Bereiche des Alltags - Kommunikation, Zahlungen und irgendwann AR-Schnittstellen - über eine Handvoll App Stores laufen, stellt sich die Frage: Wer entscheidet, welche Verstöße schwerwiegend genug für eine Entfernung sind, und auf welcher Grundlage?
Was als Nächstes zu beobachten ist
Die französischen Ermittlungen gegen Pavel Durov laufen weiter, ein Termin für einen Abschluss steht nicht fest. Auch Russlands Terrorismusvorwürfe gegen Durov sind noch offen. Apple hat nicht mitgeteilt, ob Grok weiter überprüft wird, nachdem das Team vor einer möglichen Entfernung bei erneuten Verstößen gewarnt wurde. Zu beobachten bleiben zudem eine mögliche EU-Entscheidung zur X-Untersuchung sowie Apples Umgang mit künftigen CSAM-Fällen bei anderen Apps - einschließlich solcher für AR- und Wearable-Plattformen, die bonuz genau verfolgt.



