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Coldcard-Bug erschüttert Vertrauen in Hardware-Wallets

By bonuz NewsroomPublished August 6, 2026
Coldcard Entropy Flaw Raises Hardware Wallet Security Fears

Ein Fehler in Coldcard-Hardware-Wallets hat Angreifern den Diebstahl von mehr als 1.596 Bitcoin im Wert von über 100 Millionen US-Dollar ermöglicht. Der Bug zeigt, wie anfällig die Erzeugung eines privaten Schlüssels sein kann – selbst in Geräten, die eigens zu seinem Schutz gebaut wurden.

Was genau passiert ist

Coinkite, das Unternehmen hinter Coldcard, legte den Fehler bei der Entropie-Erzeugung laut Cointelegraph am 31. Juli 2026 offen. Forscher von Galaxy Digital erklären, Angreifer hätten die Schwachstelle in koordinierten Attacken ausgenutzt, um mehr als 1.596 Bitcoin im Wert von mindestens 100 Millionen US-Dollar zu stehlen. Coinkite hat inzwischen Firmware-Updates veröffentlicht und betroffene Nutzer aufgefordert, ihre Guthaben auf neu generierte Wallets zu übertragen. Core-Lightning-Entwickler Dustin Dettmer vermutet, dass der Fehler auf Firmware-Änderungen aus dem Jahr 2021 zurückgeht, durch die der hardwareseitige Zufallszahlengenerator deaktiviert wurde – die Wallets griffen daraufhin auf den schwächeren Yasmarang-Pseudozufallsgenerator von MicroPython zurück. Coinkite hat diesen genauen Ablauf nicht bestätigt, doch ein Unternehmenssprecher sagte Cointelegraph, bestimmte Firmware-Versionen hätten bei der Seed-Erzeugung einen Fallback-Pfad enthalten, der auf dem Gerät selbst schwache Entropie erzeugen konnte. Geräte, bei denen Nutzer die Entropie manuell erzeugt hatten, etwa durch Würfeln, waren nicht betroffen.

Wie es dazu kam

Jede Bitcoin-Wallet beginnt mit einer Seed-Phrase, die aus einem Pool zufälliger Daten erzeugt wird. Entropie misst dabei, wie unvorhersehbar diese Daten sind. Wird die Entropie schwächer, können Angreifer den Raum möglicher privater Schlüssel eingrenzen und diese schließlich rekonstruieren. Der Fehler blieb laut Foundation-CEO Zach Herbert mehr als fünf Jahre lang unentdeckt. Schwache Zufallszahlengenerierung ist kein neues Problem: Bitcoin-Sicherheitsexperte Jameson Lopp hat ähnliche Schwachstellen bereits in früheren Wallets und Bibliotheken dokumentiert, darunter die Android-Wallet von Blockchain.com und Trust Wallet. Ledger, Trezor und Foundation setzen jeweils auf unterschiedliche Entropie-Strategien, von zertifizierter sicherer Hardware bis zur Kombination mehrerer unabhängiger Quellen – doch keine garantiert, dass ein einzelner Fehlerpunkt ausgeschlossen ist.

Warum das für dich relevant ist

Für Coldcard-Nutzer hat die Umsetzung von Coinkites Migrationsanleitung für Wallets Priorität, die auf betroffener Firmware erstellt wurden. Für die gesamte Branche verschärft der Vorfall den Druck auf Hersteller, verifizierbare Entropie-Standards einzuführen, wie sie Kraken-Sicherheitschef Nick Percoco vorschlägt. Entwickler könnten künftig gezwungen sein, reproduzierbare Firmware zu veröffentlichen oder externe Audits zuzulassen – nach dem Vorbild des Open-Source-Modells von Foundation. Für gewöhnliche Anleger verdeutlicht der Fall einen grundlegenden Zielkonflikt bei Self-Custody: Hardware-Wallets bündeln das Risiko in einem einzigen Moment der Seed-Erzeugung, während alternative Modelle wie MPC-basierte Wallets – etwa bonuz – private Schlüssel über ein Netzwerk verteilen und Nutzern erlauben, sich per Social Login anzumelden, statt überhaupt eine Seed-Phrase zu speichern.

Die größere Frage

Wenn Zufälligkeit selbst in Geräten, die eigens zu ihrer Erzeugung gebaut wurden, unbemerkt versagen kann – wie viel Überprüfung reicht dann aus, bevor man einer Wallet lebensverändernde Summen anvertraut? Sollte die Branche eine Drittzertifizierung jeder Firmware-Version verlangen, oder hängt Sicherheit letztlich davon ab, dass Nutzer den Prozess selbst verstehen? Der Coldcard-Vorfall beantwortet diese Frage nicht. Er zeigt lediglich, wie selten sie überhaupt gestellt wird.

Worauf man jetzt achten sollte

Coinkite kündigt an, in Kürze eine vollständige technische Aufarbeitung des Fehlers zu veröffentlichen, ein genauer Termin steht jedoch noch nicht fest. Coldcard-Nutzer mit Wallets, die auf betroffener Firmware erstellt wurden, sollten die direkten Migrationshinweise von Coinkite im Blick behalten. Nick Percocos vorgeschlagener Branchenstandard, der Entropie-Validierung und Firmware-Zertifizierung umfassen soll, ist bislang ein Diskussionspunkt und keine verbindliche Regel. In den kommenden Monaten dürfte die Entropie-Praxis von Ledger, Trezor und Foundation genauer unter die Lupe genommen werden.

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