Die FTC und Generalstaatsanwälte aus 22 US-Bundesstaaten haben Amazon am 31. August 2026 verklagt. Der Vorwurf: Der Konzern habe die Preise in seinen Werbeauktionen seit 2019 heimlich nach oben manipuliert. Da Händler höhere Werbekosten häufig an Kunden weitergeben, könnte das letztlich jeden treffen, der online einkauft.
Was tatsächlich passiert ist
Wie The Verge berichtet, reichten die FTC und die 22 Generalstaatsanwälte die Klage am 31. August 2026 ein. Laut Klageschrift hat Amazon seine Werbeauktionen seit 2019 manipuliert. Bei einer klassischen Second-Price-Auktion zahlt der Gewinner einen Cent mehr als das zweithöchste Gebot. Die FTC wirft Amazon vor, diesen Preis durch einen höheren Wert ersetzt zu haben, den die eigene Werbesparte festlegte, um den Gewinn zu steigern. FTC-Chef Andrew Ferguson erklärte, die höheren Preise seien "größtenteils an die amerikanischen Verbraucher weitergegeben" worden. Die Klage behauptet, Amazon habe Werbetreibenden dadurch "wahrscheinlich illegal über 20 Milliarden Dollar" entzogen, also mehr als 20 Milliarden US-Dollar. Amazon nannte die Klage "irreführend" und verwies darauf, dass das durchschnittliche Gewinngebot bei Sponsored-Products-Suchanzeigen zwischen 2019 und 2024 um 50 Prozent gesunken sei.
Wie es dazu kam
Es ist nicht der erste Zusammenstoß zwischen Amazon und der FTC. Rund ein Jahr zuvor hatte Amazon bereits 2,5 Milliarden US-Dollar gezahlt, um eine separate FTC-Klage rund um Prime-Abonnements beizulegen, in der dem Konzern vorgeworfen wurde, Kündigungen absichtlich zu erschweren. Der neue Fall betrifft einen anderen Geschäftsbereich: die Werbeauktionen, eine der wichtigsten Einnahmequellen von Amazon. Amazon Ads hat sich zu einer der größten digitalen Werbeplattformen entwickelt und konkurriert mit Google und Meta um Werbebudgets. Laut Klageschrift beschrieb ein Amazon-Ads-Manager intern den Second-Price-Wert als einen "Proxy", den das Unternehmen selbst berechnet, statt eines tatsächlich von einem Bieter gesetzten Preises.
Warum das für dich wichtig ist
Für Werbetreibende bei Amazon wirft die Klage die Frage auf, ob ihr Werbebudget tatsächlich den Wert lieferte, den die Auktion versprach. Sollten die Gerichte der FTC recht geben, könnten manche Werbetreibende Rückerstattungen oder Schadensersatz fordern. Für Käufer ist der Fall relevant, weil Werbekosten in die Preisgestaltung von Drittanbietern einfließen können. Für Amazon bedeutet die Klage zusätzlichen rechtlichen und rufschädigenden Druck, nur ein Jahr nach dem Prime-Vergleich. Auch andere Plattformen mit auktionsbasierten Werbesystemen könnten künftig stärker unter die Lupe genommen werden, während Regulierungsbehörden testen, wie transparent Auktionspreise sein müssen.
Die größere Frage
Amazons Werbesystem beruhte auf dem Prinzip, dass Bieter nie mehr zahlen als nötig, um zu gewinnen. Die FTC behauptet, diese Regel sei heimlich außer Kraft gesetzt worden. Auktionsbasierte Preisgestaltung prägt Suche, soziale Medien und Handelsplattformen weit über Amazon hinaus. Wenn ein Unternehmen seine eigenen Auktionsergebnisse nachträglich überschreiben kann, was bedeutet das für das Vertrauen in jede Plattform, die faire, marktbasierte Preise verspricht?
Worauf man achten sollte
Ein Verhandlungstermin steht noch nicht fest. Amazon und die FTC dürften in den kommenden Monaten auf die Klage reagieren. Da 22 Generalstaatsanwälte als Mitkläger auftreten, könnten parallel dazu Verfahren auf Länderebene laufen. Werbetreibende, die die Preisgestaltung von Amazon Ads beobachten, dürften im Zuge der Beweisaufnahme weitere Enthüllungen sehen.



