Das US-amerikanische Office of the Comptroller of the Currency (OCC) hat am 21. Oktober 2026 die erste finale Regel zur Umsetzung des GENIUS Act veröffentlicht – und verzichtet dabei auf einen Bestandsschutz für bestehende Stablecoin-Prämienprogramme. Das ist deshalb relevant, weil nun jede Krypto-Börse, die Stablecoin-Prämien anbietet, eine individuelle behördliche Genehmigung einholen muss. Damit setzt die OCC den Maßstab, dem andere Aufsichtsbehörden folgen dürften.
Was ist passiert
Die am Mittwoch veröffentlichte finale Regel der OCC setzt den Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins Act um, kurz GENIUS Act. Sie tritt am 18. Januar 2026 in Kraft. Laut CoinDesk heißt es in der Regel wörtlich, dass die OCC 'nicht davon ausgeht, dass Prämienprogramme, die vor dem GENIUS Act bestanden, mit dem GENIUS Act konform sind'. US-Finanzminister Scott Bessent bezeichnete die Regel als 'eine klare, praktische Grundlage für private Innovation, Wettbewerb und amerikanische Führungsrolle im Digital-Asset-Bereich'. Aktuell liegen die Prämienraten bei PayPals PYUSD bei 4 %, bei Coinbase One auf USDC bei 3,75 % und bei Kraken+ auf USDG bei bis zu 4,5 %. Die OCC strich zudem die zuvor geplanten 'widerlegbaren Vermutungen', die bestimmte Prämienstrukturen automatisch als Verstoß markiert hätten, und entschied sich stattdessen für eine Einzelfallprüfung.
Wie es dazu kam
Der GENIUS Act wurde verabschiedet, um einen föderalen Rahmen für dollargebundene Stablecoins zu schaffen. Er untersagt Emittenten, Erträge zu zahlen, die 'ausschließlich im Zusammenhang mit dem Halten, der Nutzung oder dem Besitz' der Token stehen. Banken hatten massiv gegen Stablecoin-Prämien lobbyiert, da sie darin eine Bedrohung für ihre Einlagen sahen, und drängten über den späteren Digital Asset Market Clarity Act auf Änderungen. Dieser Gesetzentwurf scheiterte vergangenen Monat jedoch an einer entscheidenden Abstimmung im Senat, sodass das ursprüngliche Ertragsverbot des GENIUS Act bestehen blieb. Börsen wie Coinbase hatten bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes Prämienprogramme aufgebaut, die an Kreditkarten-Vorteile erinnern. Die OCC ist die erste von vier Behörden – neben FDIC, Finanzministerium und Federal Reserve –, die ein GENIUS-Rulemaking abgeschlossen hat.
Warum das für dich wichtig ist
Für Nutzer von Börsen gilt: Die Fortführung aktueller Prämienraten auf Stablecoins ist nicht garantiert. Die OCC wird jedes Programm danach beurteilen, ob es einem Zweck dient, der über das bloße Halten des Tokens hinausgeht – ein Test, für den es noch keine feste Definition gibt. Für Entwickler bedeutet das: Ein Prämienprogramm muss nachweisbar nicht 'ausschließlich' für das Halten von Stablecoins gezahlt werden, etwa indem es an Handelsaktivität oder Abo-Stufen gekoppelt wird. Für Emittenten wie Tether und Circle verbietet die Regel Prämien von Drittbörsen nicht grundsätzlich, entzieht ihnen aber jede Vermutung der Rechtmäßigkeit. Inhaber von Stablecoins sollten damit rechnen, dass sich Raten verändern, da einzelne Programme statt pauschaler Regeln einer individuellen Prüfung unterzogen werden.
Die große Frage
Der GENIUS Act verbietet Erträge, die 'ausschließlich' für das Halten eines Stablecoins gezahlt werden, erlaubt aber Prämien, die an andere Gründe geknüpft sind. Wer entscheidet, wo genau diese Grenze verläuft, und wie viel Planungssicherheit kann eine Branche haben, wenn der Test von einem einzigen Wort abhängt, das im Einzelfall ausgelegt wird? Könnte dieser Ansatz zu widersprüchlichen Entscheidungen bei ähnlichen Prämienprogrammen führen – oder zwingt er Börsen dazu, legitime Anreizmodelle völlig neu zu denken?
Was als Nächstes zu beobachten ist
Der GENIUS Act tritt insgesamt am 18. Januar 2026 in Kraft, auch wenn andere Aufsichtsbehörden ihre Regelwerke bis dahin womöglich nicht fertigstellen. FDIC, Finanzministerium und Federal Reserve haben noch laufende Rulemakings zu staatlich lizenzierten Banken, ausländischen Emittenten und Tochtergesellschaften von Mitgliedsbanken. Zu beobachten bleibt, wie Börsen auf den Einzelfallansatz der OCC reagieren – und ob der Kongress den gescheiterten Digital Asset Market Clarity Act nach der blockierten Senatsabstimmung erneut aufgreift.
