Die US-Aufsichtsbehörde CFTC sieht bei CME Group keinen belegbaren Schaden durch ihre neue Perpetual-Futures-Politik und hält die Klage der Terminbörse deshalb für unbegründet. Die Entscheidung des Gerichts wird darüber bestimmen, wie Perpetual Futures künftig in den USA gehandelt werden dürfen – in einem Markt, der im Ausland längst boomt.
Was tatsächlich passiert ist
Die US-Rohstoffterminaufsicht CFTC reichte am Freitag einen Schriftsatz ein, in dem sie laut CoinDesk argumentiert, CME Group habe keinen tatsächlichen Schaden durch die neue Perpetual-Futures-Politik der Behörde nachgewiesen. Die CFTC hatte im Mai 2026 den ersten Bitcoin-Perpetual-Futures-Kontrakt von Kalshi genehmigt und damit den US-Markt für Perps geöffnet. CME klagte daraufhin und argumentierte, die Produkte seien in Wahrheit Swaps und keine Futures, da ihnen ein Fälligkeitsdatum fehle. Die CFTC hielt dagegen, CME müsse „einen plausiblen, tatsächlichen oder unmittelbar bevorstehenden Anstieg des Wettbewerbs darlegen“ und habe „nicht einmal das getan“. Zudem sei das Volumen der Krypto-Futures bei CME seit der Politikänderung gestiegen. CME reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Wie es dazu kam
Perpetual Futures erlauben Tradern, mit Hebel und ohne festes Enddatum auf die Preisentwicklung eines Assets zu spekulieren. Die Kontrakte sind mittlerweile zu einem bedeutenden Teil des globalen Krypto-Derivatehandels geworden, größtenteils außerhalb der USA. Im Mai 2026 reagierte die CFTC auf den Vorstoß von Präsident Donald Trump, Perps onshore zu holen, und erklärte sich bereit, sie künftig fallweise als Futures zu regulieren. CME, Betreiberin der weltweit größten Terminbörse, legte kurz darauf Widerspruch vor Gericht ein. Bereits im Vormonat hatte die CFTC einen Richter gebeten, die Klage von CME abzuweisen. Der neue Schriftsatz vertieft diese Argumentation und wirft CME vor, vor Gericht einen Schaden zu behaupten, während man Investoren in Earnings Calls gleichzeitig mitteile, man sehe kaum Nachfrage nach Perps.
Warum das für dich wichtig ist
Setzt sich die CFTC durch, könnten mehr US-Firmen regulierte Perpetual Futures auflegen und US-Tradern damit erstmals heimischen Zugang zu Produkten verschaffen, die bislang fast nur offshore verfügbar waren. Das würde CMEs Dominanz im Krypto-Derivatehandel unter Druck setzen und neueren Plattformen wie Kalshi Raum verschaffen. Für Entwickler entscheidet der Fall, ob Perps künftig den Regeln für Futures oder den leichteren Swap-Regeln unterliegen – mit direkten Folgen für Produktdesign und Compliance-Kosten. Für Trader bedeutet ein langwieriger Rechtsstreit vor allem Unsicherheit: Sollte CME am Ende gewinnen, müssten neue inländische Perp-Kontrakte womöglich wieder vom Markt genommen werden.
Die größere Frage
Sollten Perpetual Futures als Futures, als Swaps oder als völlig neue Kategorie reguliert werden? Die Antwort wird den gehebelten Krypto-Handel in den USA auf Jahre hinaus prägen. Dahinter steckt eine noch grundsätzlichere Frage: Lässt sich ein schnell wachsender Markt überhaupt sicher zurückbauen, falls Gerichte die Entscheidung der CFTC später kippen? Regulierer, Börsen und Trader haben alle ein Interesse daran, wie diese Frage beantwortet wird.
Worauf zu achten ist
Ein Bundesrichter hat über den Antrag der CFTC auf Abweisung der CME-Klage noch nicht entschieden. TD-Cowen-Analyst Jaret Seiberg schrieb in einer Notiz am Montag, das Wachstum des Perp-Marktes während des laufenden Verfahrens könnte eine spätere Rückabwicklung erschweren, sollte CME am Ende obsiegen. Im Blick behalten sollte man die Entscheidung des Richters zur Klagebefugnis sowie mögliche weitere Zulassungen von Perpetual Futures nach dem Bitcoin-Kontrakt von Kalshi.



